Über das Projekt

Mit dem Pariser Klimaabkommen haben sich fast alle Nationen verpflichtet, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Deshalb müssen fossile Brennstoffe in Zukunft konsequent durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Wenn von den Erneuerbaren die Rede ist, denken die meisten an Sonne und Wind. Dabei besteht der Löwenanteil in Europa aus Biomasse – vor allem Holz. Das ist ein Frontalangriff auf die globalen Waldökosysteme…

Allerdings führt der Rückgriff auf erneuerbare Energien nicht zwangsläufig zu einem sparsamen Ressourceneinsatz. Eine notwendige ökologische Transformation kann aber nur gelingen, wenn fossile nicht einfach in erster Linie durch biogene Rohstoffe ersetzt werden. Stattdessen ist auch eine Veränderung von Konsummustern besonders in den Industrienationen notwendig, um tatsächlich weniger Ressourcen einzusetzen.

Die Europäische Union verhandelt zur Zeit ihre Klimaschutzstrategie bis zum Jahre 2030 und will den Anteil der Erneuerbaren auf 27% erhöhen. Bislang stellt die Holzfeuerung den größten Anteil der  erneuerbaren Energien in der EU dar und wird üppig mit öffentlichen Mitteln subventioniert. Diese Regeln nutzen die großen Energiekonzerne aus und stellen ihre alten Kohlemeiler auf Holzfeuerung um, was technisch keinen großen Aufwand erfordert. Dadurch steigt der europäische Holzhunger enorm. Der Ausblick für die Wälder ist allerdings düster, wenn die Holzfeuerung im industriellen Maßstab weiterhin von der EU als klimafreundlich bewertet wird.

In Deutschland erreicht der Biomasseanteil bei den erneuerbaren Energien fast 60 Prozent und auch hier liefert Holz den größten Anteil. Es wird in erster Linie bei der Bereitstellung von Wärme genutzt. 2015 waren es fast 10 Prozent des deutschen Wärmeverbrauchs, die in Form von Brennholz, Pellets, Hackschnitzeln oder Holzbriketts gedeckt wurden. Die Auswirkung dieser Entwicklung sind auch im Wald zu spüren.

Auch deutsche Energieriesen mischen mit bei diesem Geschäft, das mit öffentlichen Mitteln gefördert wird: RWE betreibt in den Niederlanden die Holzbiomasse-Kraftwerke Geertruidenberg und Amer. Eine Schließung von Amer stand schon zur Diskussion, doch nun wird der Betrieb zu 50% auf Biomasse umgestellt. Bis 2020 soll der Anteil der Holzfeuerung auf 80% steigen. Für beide Anlagen werden in Zukunft jährlich mehrere Millionen Tonnen Holz-Pellets benötigt.

Innogy, die Ausgliederung des Energiekonzerns RWE, betreibt in den USA Georgia Biomass, das nach eigenen Angaben größte Holz-Pellet-Werk der Welt. Es hat eine jährliche Produktionskapazität von 750.000 Tonnen. Nach Recherchen der amerikanischen Naturschutzorganisation Dogwood Alliance ist wahrscheinlich, dass Georgia Biomass seine Rohstoffe aus ökologisch seltenen Hartholz-Feuchtwaldgebieten oder aus Kahlschlagpraxis bezieht.

E.ON hat sein Holzkraftwerk im südfranzösischen Gardanne an seine Abspaltung Uniper ausgegliedert. Der auf Holzfeuerung umgebaute Kohlekraftwerksblock befindet sich derzeit im Probelauf und wird mehr als 800.000 Tonnen Holz jährlich verschlingen. Die französische Regierung subventioniert die Holzfeuerung in Gardanne in den kommenden 20 Jahren mit 1,4 Milliarden Euro als Klimaschutzmaßnahme. Diese Pläne von Uniper stoßen auf den erbitterten Widerstand der Umweltschützer von SOS Foret du Sud. Darüber hinaus betreibt Uniper das Kraftwerk Maasvlakte in den Niederlanden, das zum Teil mit Holz befeuert wird.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall scheiterte an dem Versuch, sich im vom Bürgerkrieg zerschossenen Liberia mit günstigem Holz für seine Berliner Kraftwerke einzudecken. Ein breites Bündnis aus Umweltaktist*innen und Politik stellte sich dem Holzimport aus Afrika in den Weg.

Eine Besonderheit bei Energiekonzernen wie RWE/Innogy ist, dass diese mit Kommunen in NRW verflochten sind. Zahlreiche größere Städte sind relevante Anteilseigner an den Energieriesen. Daraus resultiert eine inhaltliche Verantwortung für eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Konzernpolitik.

Die Plattform-Wald-Klima engagiert sich für eine nachhaltige Energiewende und fordert eine sofortige Einstellung der Subventionen für die industrielle Verbrennung von Holz-Biomasse. Sie diskutiert mit Entscheidungsträger*innen aus Politik und Wirtschaft über die Gefahren der industriellen Energiegewinnung aus Holz. Neben der europäischer und nationalen Ebene liegt ein besonderer Fokus des Projekts auf den kommunalen Anteilseignern in NRW. Darüber hinaus konfrontiert die Plattform deutsche Energiekonzerne mit den ökologischen Folgen der industriellen Holzverbrennung und erörtert mögliche Lösungsstrategien. Ferner werden mit Nichtregierungs-Organisationen gemeinsame Positionen entwickelt und die interessierte Öffentlichkeit informiert.