Investoren sollen die Finanzierung von RWEs Biomasse- und Kohlekraftwerken in den Niederlanden überdenken

Wolfgang Kuhlmann Biomasse, EU, Investorenrisiko Leave a Comment

Amsterdam/ Berlin, 15. Februar 2021 – Die Umwelt- und Klima-NGO Environmental Paper Network [1] und niederländische Aktivisten haben internationale Finanziers von RWE aufgefordert, ihre Investitionen in die niederländischen Kohle- und Biomassekraftwerke des Energiekonzerns angesichts der gravierenden Auswirkungen auf Klima, Menschen und Wälder zu überdenken. Anlass war die Einreichung einer Entschädigungsklage von RWE gegen die niederländische Regierung mit der Begründung, der verpflichtende Kohleausstieg des Landes bis 2030 verstoße gegen den Energiecharta-Vertrag von 1991.

Nach Angaben des Nachrichtenmagazins Politico [2] begründete RWE die Klage damit, dass „die Niederlande es versäumt haben, ausreichend Zeit oder Geld für die Umrüstung des 2015 errichteten Kraftwerks [Eemshaven] auf die Verbrennung von Biomasse anstelle von Kohle bereitzustellen.“

Karen Vermeer, Koordinatorin der Arbeitsgruppe Finanzen von EPN International, sagte: „Die Finanziers und Investoren von RWE müssen sich die Auswirkungen des Unternehmens auf das Klima und die Artenvielfalt genau ansehen, Auswirkungen, die die direkte Folge seiner Biomasse- und Kohleverstromung sind. Die Tatsache, dass RWE trotz mehrjähriger Vorlaufzeit und erheblicher Subventionen für die Umstellung auf Biomasse nun die Niederlande auf Schadensersatz für den Ausstieg aus der Kohleverbrennung verklagt, müsste bei allen Investoren, die sich um die Klima- und Biodiversitätskrise sorgen, die Alarmglocken klingeln lassen.“

RWE ist der größte Verbrenner von Kohle sowie Holzpellets in den Niederlanden [3]. Für die Verbrennung von Holz in den Kraftwerken Amer und Eemshaven hat der Konzern insgesamt 2,68 Milliarden Euro an Subventionen für erneuerbare Energien erhalten hat. Der Brief von Umweltgruppen sowie ein „Dodgy Deal“-Bericht der von NGO BankTrack [4] warnen, dass die groß angelegte Verbrennung von Holzpellets zu den bereits erheblichen CO2-Emmissionen von RWE aus der Kohleverbrennung ebenso beiträgt wie zur Waldzerstörung in den baltischen Staaten und im Südosten der USA, zwei der Regionen, aus denen die Holzpellets von RWE importiert werden.

Siim Kuresoo vom Estonian Fund for Nature sagte: „RWE ist einer der größten Importeure von estnischen Holzpellets. Estlands Wälder werden immer schneller abgeholzt, um die steigende Nachfrage nach Waldbiomasse zu befriedigen. Das ist katastrophal für die Tierwelt, denn jedes Jahr gehen schätzungsweise 50.000 Brutpaare von Waldvögeln verloren, ganz zu schweigen vom Klima, da die Menge des von unseren Wäldern gebundenen Kohlenstoffs weiter abnimmt.“

Fenna Swart, Vorsitzender des Comité Schone Lucht, sagte: „Milliarden an Subventionen für erneuerbare Energien für umweltverschmutzende, kohlenstoffreiche Biomassekraftwerke auszugeben, anstatt für saubere, nicht emittierende erneuerbare Energien und Energieeinsparungen, ist eine zunehmend unpopuläre Politik in den Niederlanden, und eine, von der wir hoffen, dass sie nach den Wahlen im nächsten Monat rückgängig gemacht wird. Wir glauben, dass es für Investoren weder eine nachhaltige noch eine finanziell solide Investition ist, die niederländischen Kraftwerke von RWE mitzufinanzieren.“

Kontakt:

Karen Vermeer, Koordinatorin der Arbeitsgruppe Finanzen von EPN International, karen@environmentalpaper.org

[1] https://environmentalpaper.org/project/forests-climate-biomass/

[2] politico.eu/article/eu-government-climate-and-coal-lawsuits/

[3] https://beyond-coal.eu/database/ und https://www.banktrack.org/project/dodgy_deal_rwe_biomass_conversion_project_the_netherlands/pdf

[4] https://www.banktrack.org/project/dodgy_deal_rwe_biomass_conversion_project_the_netherlands/pdf

Photo: Wutsje via Wikimedia Commons (CC BY SA 3.0)

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