Tote Fichten durch Borkenkäfer

CSU und Freie Wähler in Bayern auf dem Holzweg: Steuergeschenke für Zufeuerung von Holz in Kohlekraftwerken gefordert

Wolfgang Kuhlmann Holzenergie, Kohleausstieg Leave a Comment

Die bayerische Staatsregierung möge sich beim Bund für die Mitverbrennung von Holz in Kohlekraftwerken einsetzen. So fordert es ein Antrag von Freien Wählern und CSU, der Mitte Juni mit den Stimmen der beiden Fraktionen angenommen wurde.

Damit unterstützen die Mehrheitsfraktionen des bayerischen Landtags eine Initiative von Forstverbänden und -unternehmen, die nach staatlich geförderten Absatzmärkten für derzeit unverkäufliche Holzsortimente suchen. Die Trockenheit der letzten Jahre und die starke Verbreitung des Borkenkäfers hat besonders in den Fichtenplantagen des Landes zu großen Schäden geführt.

Freie Wähler und CSU argumentierten, dass man bis zu 10 % Holz in Form von Hackschnitzeln und sogar bis zu 50 % in Form von Pellets in einem Kohlekraftwerk mit verfeuern könnte, ohne dass ein Umbau des Kraftwerks nötig sei. Erst bei Anteilen über 50 % wären Umbaukosten in Höhe von 140 Mio. € pro Kraftwerk fällig.

Für diese Annahmen gibt es allerdings keine Belege. Während eine Mitverbrennung von Holzhackschnitzeln im einstelligen Prozentbereich noch mit verhältnismäßig überschaubaren Investitionen zu erreichen ist, erfordern höhere Anteile umfangreichere Umrüstungen, die sich bereits deutlich unter 50 % Zufeuerung auf mehrere hundert Millionen Euro belaufen. Genauere Zahlen, etwa für die Umrüstung des RWE-Kraftwerks im niederländischen Eemshaven auf derzeit rund 30 % Holzverbrennung sind wohlgehütete Geschäftsgeheimnisse.

Zu diesem Ergebnis scheint auch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gekommen zu sein. Selbst in einer Notsituation sei es keine Lösung, wenn der Staat den Festmeter Holz für 80 Euro an- und für 5 Euro an die Kohlekraftwerke weiterverkaufe. Da sei es sinnvoller, Steuergelder direkt zu verbrennen, so zitiert ein Vertreter der Grünen das bayerische Forstministerium in der Aussprache zu dem Antrag.

Bleibt zu hoffen, dass diese Erkenntnis weitere Kreise zieht und zur Suche nach Alternativen anregt. Der Bund Naturschutz Bayern plädiert dafür, das Holz gerade bei den desaströsen Holzpreisen im Wald zu belassen. „Wenn der Borkenkäfer schon ausgeflogen ist, heißt es bei der Fichte genauso wie bei allen anderen Baumarten: Totholz hilft dem Wald in der Klimakrise und ist aktiver Klimaschutz. Hier sollte auch die staatliche Förderung ansetzen.“

Auch der Grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebener steht einer generellen Beifeuerung von Holz in Kohlekraftwerken skeptisch gegenüber. Eine Verbrennung von Schadholz sei nur dann akzeptabel sein, wenn bestehende Kraftwerkskapazitäten mit Abwärmenutzung eingesetzt würden. Sonst entstünden Fehlanreize zur Übernutzung von Wäldern, so Ebener in einer Presseerklärung.

Der Dringlichkeitsantrag von Freien Wählern und CSU sowie die Aussprache im bayrischen Landtag am 17.6.20 findet sich hier: https://www.bayern.landtag.de/webangebot2/webangebot/vorgangsanzeige?execution=e3s1

Pressemitteilung des Bund Naturschutz mit der Kritik an der Holzverbrennung in Kohlekraftwerken: https://www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen/keine-holzverbrennung-in-kohlekraftwerken.html

Pressemitteilung der Grünen Bundestagsfraktion

https://www.gruene-bundestag.de/presse/pressemitteilungen/alarmstufe-rot-im-wald-es-reicht-nicht-millionen-mit-der-giesskanne-auszuschuetten

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