Wald, Biomasse und Energie – der deutsche Entwurf eines nationalen Energie- und Klimaplans (NECP)

Wolfgang Kuhlmann Biomasse, EU, Kohleausstieg, NECP Leave a Comment

Ende Dezember letzten Jahres hat das Bundeswirtschaftsministerium der EU Kommission einen Entwurf für einen nationalen Energie- und Klimaplan (NECP Entwurf) vorgelegt. Die hat gestern einen Bericht vorgestellt, der die Ergebnisse ihrer Prüfung der Pläne aller EU Länder enthält, sowie Empfehlungen (Hausaufgaben) für die Überarbeitung und Erstellung eines endgültigen Planes bis zum Ende dieses Jahres.

Zur Beteiligung der Öffentlichkeit gibt es einen Konsultationsprozess, der in diesem Fall aus einem Online-Fragebogen besteht, der bis zum 2.8.2019 ausgefüllt werden kann:

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/necp-konsultation.html

Für alle, die mit Wald zu tun haben, ist in diesem Plan vor allem der Teil interessant, der sich mit Bioenergie und Biomassenutzung beschäftigt. Hier ist das BMWi – allen Äußerungen der entsprechenden Verbände zum Trotz – sehr zurückhaltend.

Auf S. 34 heißt es zu den erwarteten Zielpfaden für die Bioenergienachfrage:

„Das nachhaltige, für die energetische Nutzung im Inland verfügbare Biomasseangebot ist im Hinblick auf einzuhaltende Nachhaltigkeitsaspekte noch zu beziffern. Das Potenzial für die energetische Nutzung von Bioenergie liegt künftig überwiegend in einer effizienten Nutzung von Abfall und Reststoffen unter Beachtung der Nutzungskaskade. Zu vermeiden sind nachteilige Klimaschutz-Effekte durch Importe in potenziellen Herkunftsländern.

Im Stromsektor sinkt die Nutzung von Biomasse, während sie im Wärme- und Kälte- sowie im Verkehrssektor bis 2030 ansteigt. Die Nutzung von Biomasse im Stromsektor sinkt, weil sie dort im Vergleich mit anderen Technologien wie Windenergie und Photovoltaik ein relativ kostenintensiver erneuerbarer Energieträger ist.“

Bei der Stromerzeugung wird für Biomasse ein Anstieg der Kapazitäten von 7,2 GW (2015) auf 7,8 GW (2020) und anschließend ein Rückgang auf 6,1 GW (2030) und 3,4 GW (2040) prognostiziert (S. 136).

Auf Seite 133 gibt es Zahlen zur inländische Energieproduktion nach Brennstofftyp (in Mt Rohöläquivalent):

_______________________2015_________2030________2040_____

  • Erneuerbare_____38,9_________49,2_________49,5
    gesamt
  • Biomasse________12,1__________11,5________10,7
  • Biogas____________7,9___________7,2__________5,4
  • Abfälle___________9,0___________8,9___________8,2

Danach scheint es (zumindest langfristig) keine Tendenzen zu geben, die Erzeugung von Strom oder Wärme aus Biomasse in besonderem Maße zu fördern.

Was allerdings zu denken gibt, ist die auf Seite 115 beschriebene Projektion der Anteile der verschiedenen Energieträger am Primärenergieverbrauch:

__________________________2030_____________2040________________

  • Steinkohle _________12 %______________12 %
  • Braunkohle _________9 %_______________6 %
  • Mineralöle _________35 %______________33 %
  • Gase ________________25 %_____________27 %
  • Erneuerbare ________19 %_____________22 %

Die Projektionen sehen zwar einen Rückgang der Energieproduktion aus Stein- und Braunkohle bis 2040 vor, aber keinen Kohleausstieg. Hier muss sicherlich noch deutlich nachgebessert werden!

Auch die prognostizierte Steigerung des Einsatzes Erneuerbarer Energien von 2020 bis 2030 um gerade einmal 12 % ist allenfalls dürftig.

Es bleibt also abzuwarten, ob im Laufe des Jahres noch ein verbindlicher Fahrplan für einen Kohleausstieg vereinbart wird und welche Auswirkungen das auf den endgültigen Energie- und Klimaplan hat.

Es macht also Sinn, diese Bedenken in der Online-Konsultation des BMWi zu äußern und darauf hinzuweisen, dass z.B. die Zufeuerung von Holz in Kohlekraftwerken keine Option im Rahmen eines Kohleausstiegs sein kann.

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