Klimakonferenz nimmt Wald in Geiselhaft

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Auf Klimakonferenzen gehört es mittlerweile zu den eingeschliffenen Ritualen, dass die GipfelteilnehmerInnen die Bedeutung der Wälder für das globale Klima hervorheben. Das war auch in diesem Jahr auf der Klimakonferenz COP 24 (Conference of the Parties/ Vertragsstaatenkonferenz) im polnischen Katowice nicht anders: Die MinisterInnen aus weit über 50 Nationen, darunter Waldriesen wie Russland und Kanada, aber auch Deutschland einigen sich auf zwei Seiten schöne Worte. Sie loben den Wald und seine Funktionen fürs Weltklima über den grünen Klee. Wie nicht anders zu erwarten, waren Trumps US-Amerika, und “Tropen-Trumps” Brasilien nicht an Bord. Soweit, so erwartbar.

Und was steht drin, in dieser Erklärung mit dem offiziellen Namen „The Ministerial Katowice Declaration on Forests for the Climate“? Vor allem die übliche Gipfel-Lyrik mit dem unvermeidlichen Bekenntnis zur universellen Nachhaltigkeit. Darüber hinaus wird der fatale Eindruck verbreitet, dass der Wald als Staubsauger für die Klimagase der Benzin-Junkies zur Verfügung steht. “..the declaration remains bullshit.”, lautet das Urteil des renommierten Wald- und Klimabloggers Chris Lang demzufolge.

Man kann das Dokument auch so interpretieren, dass Wälder ohne Forstwirtschaft hilflos sind und ihre Klimafunktionen nicht erfüllen können. So wie das die Bundeswaldministerin Julia Klöckner macht: “…besonders die aktive Forstwirtschaft (ist) konkreter Klimaschutz“. Das vor allem natürliche Waldgesellschaften, die möglichst wenig mit der “aktiven Forstwirtschaft” in Berührung gekommen sind, stressresistenter sind und darüber hinaus auch besonders viel Kohlendioxid speichern, blendet die Ministerin einfach aus.

Der Wald sollte also aufpassen, nicht von falschen Freunden in Geiselhaft für eine fehlgeleitete Klimapolitik genommen werden. Auch UmweltschützerInnen sind jetzt gut beraten, nicht in das gleiche Horn zu tuten und den Wald in erster Linie als Kohlenstoffspeicher zu promoten.

Sonst sind wir vielleicht schneller bei industriellen, gentechnisch manipulierten Monokulturen als wir gucken können. Die wachsen unter Umständen nämlich sehr viel schneller und filtern den gefährlichen Kohlenstoff in vermeintlich größerer Geschwindigkeit aus der Luft als ein Jahrhunderte alter Buchenwald.

Das ist hier kein Plädoyer gegen die Forstwirtschaft. Holz ist ein tolles Material und durch die wichtige Arbeit der Förster und Försterinnen ist sichergestellt, dass wir auch in Zukunft genug davon haben. Wir sollten uns bloß nicht in die Tasche lügen: Es ergeben sich eben auch Zielkonflikte und gute Gründe anzunehmen, dass intensiver genutzte Wälder dem Klima eher schaden.

Unbestritten dürfte aber sein, dass der Wald es alleine nicht richten wird mit dem Klima: Zumindestens, wenn wir weiter mit dem SUV die Frühstücksbrötchen holen.

 

 

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