Enviva Ahoskie pellet mill, North Carolina

Wälder sind die neue Kohle!

Wolfgang Kuhlmann Biomasse, Pellets, Threat Map Leave a Comment

Eine  heute veröffentliche Studie “Are Forests the New Coal? A Global Threat Map of Biomass Energy Development“ des Environmental Paper Network (EPN) zeigt eine dramatische Zunahme bei der Verfeuerung von Holz zur industriellen Produktion von Energie und Wärme. Ein Anstieg von mehr als 250 % in den nächsten zehn Jahren gefährdet nicht nur Wälder, sondern auch den Kampf gegen den Klimawandel.

Der Einsatz von Holzpellets in Großkraftwerken hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt und wird weiter rasant steigen, so die EPN – Studie. Diese Entwicklung wird von falschen EU-Spielregeln gefördert, obwohl Wissenschaftler hier keinen positiven Beitrag für den Klimaschutz erkennen können. 1

Die Studie sieht den stärksten Anstieg in Südkorea und Japan. Hier wird eine europäische Politik nachgeahmt,  die den Einsatz von Holz zur Energieerzeugung subventioniert, aber die steigenden CO2-Emissionen der Kraftwerke nicht berücksichtigt.

Demand and supply of industrial wood pellets 2017

Demand and supply of industrial wood pellets 2027

In zahlreichen europäischen Ländern wurden und werden Kohlekraftwerke auf Holzfeuerung umgerüstet. Auch deutsche Energieversorger wie RWE und Uniper sind hier aktiv. Damit sollen nationale Ziele zum Umstieg auf erneuerbare Energien erreicht werden, obwohl nicht sichergestellt werden kann, dass dies auch zu einer Einsparung von CO2-Emissionen führt. Denn die erst kürzlich verabschiedete Erneuerbare Energien Richtlinie der EU hat es versäumt, verbindlich festzulegen, dass hierfür nur Altholz oder Abfälle aus Sägewerken eingesetzt werden dürfen.

Der kontinuierlich steigende Bedarf nach dem Brennstoff führt zwangsläufig dazu, dass die Holzernte erhöht und weitere Naturwälder in Baum-Plantagen umgewandelt werden. In Zukunft muss aber mehr CO2 in den Wäldern gespeichert werden und nicht weniger. Denn sonst wird es kaum möglich sein, den weltweiten Temperaturanstieg auf weniger als 1,5°C zu begrenzen.

Auch die deutsche Kohlekommission ist gut beraten, die Lebensdauer von Braun- und Steinkohlekraftwerken nicht durch eine staatlich geförderte Umstellung auf Holzfeuerung künstlich zu verlängern. Das hätte nicht nur gravierende Auswirkungen auf die Wälder weltweit, sondern würde auch Millionenbeträge binden, die besser für eine Förderung emissionsarmer erneuerbarer Energiequellen wie Sonne und Wind eingesetzt werden sollten.

Darüber hinaus emittieren holzgefeuerte Großkraftwerke Feinstaub und sind deshalb eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung.

„Wir haben Statistiken und Prognosen der Industrie ausgewertet, um die Entwicklung dieses Sektors abschätzen zu können. Eine Steigerung um das zweieinhalbfache ist bedrohlich. Denn  60 Millionen Tonnen Holzpellets können definitiv nicht aus Reststoffen hergestellt benötigt werden,“ so Wolfgang Kuhlmann von der Plattform-Wald-Klima und Ko-Autor der Studie.

 

Download der Studie “Are Forests the New Coal? A Global Threat Map of Biomass Energy Development”

Die Studie steht in engem Zusammenhang mit dem von mehr als 130 Nichtregierungsorganisationen getragenen Positionspapier „Der Biomasse-Wahn“.

Webseite des Environmental Paper Network (EPN)

1  Brief von 800 Wissenschaftlern an das EU Parlament zum Einsatz von Biomasse zur Energiegewinnung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*