Fachtagung Plattform-Wald-Klima: Klimaschutz und Naturschutz können nur gemeinsam gedacht werden.

Michael Gerhardt Biomasse, Holzenergie, Klima, Pellets

(Düsseldorf) Klimaschutz und Naturschutz können nur gemeinsam gedacht werden. Unter bestimmten Kriterien kann und muss Holz als Energieträger dabei einen Beitrag zur Energiewende leisten. Auf diese Kernthesen konnten sich die Teilnehmer*innen der Fachtagung der Plattform-Wald-Klima, die am 14. März 2018 in Düsseldorf unter der Überschrift “Kahlschlag für das Klima oder Deckung der Handlungslücke?” zusammengekommen waren, verständigen. Ansonsten wurden aber auch klare Unterschiede zwischen Vertreter*innen von Umweltschutzorganisationen und Repräsentant*innen der Energiewirtschaft deutlich. Einigkeit bestand jedoch in dem Willen, den gemeinsamen Dialog weiterzuführen und Ergebnisse im Klima- und Biosphärenschutz zu erzielen.

“Eine Reduktion der Emission von CO2 wird nicht reichen, um das Ziel einer maximalen Erderwärmung von unter 1,5 Grad zu erreichen”, mahnte Christoph Thies (Greenpeace Wald-Kampaigner) und stellte die aktuelle Greenpeace-Studie “Waldvision” vor (Download der Studie hier klicken). Zusätzlich dazu müsse CO2 in großem Stil wieder eingebunden werden, damit die Klimakatastrophe ausbleibe. “Lösungsmodelle können nur dann funktionieren, wenn sie Klimaschutz und Naturschutz gemeinsam voranbringen”, so Thies. Die existierenden Wälder in Deutschland müssten konsequent renaturiert und vor Übernutzung und Feuer geschützt werden. Anzustreben sei ein neues Gleichgewicht zwischen Wald und Holzernte, wobei der Grundsatz “Holz wächst an Holz” gelte. “Holz als Energieträger kann in engen Grenzen fossile Brennstoffe ersetzen, wenn es z.B. zuvor eine Kaskadennutzung durchlaufen hat”, erläuterte Thies. Die Verbrennung von Frischholz sowie die Verwendung von Holz für Wegwerf-Produkte sei jedoch in jedem Fall zu vermeiden.

“Es ist sehr umstritten, ob das Verbrennen von Holz zur Energiegewinnung klimaneutral ist”, gab Kongress-Mitveranstalter Wolfgang Kuhlmann (Plattform-Wald-Klima/ ARA e.V.) zu bedenken. Das hänge sehr vom Ursprung des Rohstoffes ab. Altholz, Sägewerkprodukte sowie Schwarzlauge aus der Papierproduktion seien durchaus geeignet. Deutlich kritischer sei Waldrestholz und Rundholz (Scheitholz) zu bewerten. Vor allem müsse berücksichtigt werden, dass “nachhaltige Holzwirtschaft nicht automatisch klimaneutral ist”, so Kuhlmann.

Georg Wagener-Lohse (Bundesverband BioEnergie BBE) ermunterte die Teilnehmer*innen des Kongresses trotz unterschiedlicher Herkunft und Interessen an “einer Plattform für gesellschaftlichen Wandel” mitzuarbeiten. Dazu müssten die Umweltschutz-Verbände gemeinsam mit der Erneuerbaren Energien-Industrie Perspektiven entwickeln. “Ein wichtiger Ansatz zur Emissionssenkung ist die angemessene Bepreisung von CO2”, so Wagener-Lohse. Die energetische Nutzung von Holz könne in der Energiewende eine Rolle spielen, wenn keine Neuentnahmen stattfinden und die Nutzung in alle relevanten Kreisläufe integriert sei. Dabei sei zu beachten, dass die Energiewende viel mehr als eine Stromwende sei. Wärme und Mobilität müssten gleichwertig in den Fokus rücken. “Eine angepasste, ökologische Waldwirtschaft kann viel für Emissionsreduktion und Bindung von CO2 tun”, stellte Wagener-Lohse in Aussicht.

“Wir müssen bei der Energiewende die Sektoren Verkehr, Landwirtschaft und Industrie zusammenfügen”, forderte Henning Rentz (Innogy SE) in der abschließenden Diskussionsrunde. Bisher habe die Besteuerung von Energieträgern nichts mit der tatsächlichen CO2-Emission zu tun, was sich dringend ändern müsse. Die Gesellschaft müsse auf Dauer ausschließlich CO2-neutrale Energien nutzen. Daher sei ein Ersatz der Kohle durch die Verbrennung von Holz lediglich eine Übergangslösung. “Das gehört auch nicht zu unserem Kerngeschäft”, betonte Rentz. Aufgrund der fehlenden großen Stromspeicher-Kapazitäten sei man derzeit für den Back-Up der Stromnetze noch auf Übergangstechnologien angewiesen.

“Der Dialog von Forstwirtschaft mit Umweltverbänden muss unbedingt fortgesetzt werden”, resümierte Kongress-Mitveranstalter Peter Gerhardt (Plattform-Wald-Klima/ denkhausbremen). Letztendlich sei Holz eine wertvolle Ressource, mit der sparsam und intelligent gewirtschaftet werden müsse, damit der Druck auf die globalen Wälder spürbar abnehme.

Die Präsentationen können hier heruntergeladen werden:

Präsentation Christoph Thies, Greenpeace – Waldvision

Präsentation Wolfgang Kuhlmann, ARA -Kann denn Heizen Sünde sein