Mehr Strom aus Holz?

Wolfgang Kuhlmann EU, Holzenergie, RED II

Am 17.1.2018 hat das Europäische Parlament über die Ausgestaltung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) für die Jahre 2021-2035 abgestimmt. Ein Ergebnis ist die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch von 27 auf 35 Prozent bis 2030.

Auch wenn der erste Eindruck hier positiv ist, hat er doch einen bitteren Beigeschmack. Denn der größte Teil der erneuerbaren Energien wird auch bei uns nicht etwa aus Wind und Sonne gewonnen, sondern aus Holz.

Hier hätte die Möglichkeit bestanden, eindeutige Nachhaltigkeitskriterien für die Auswahl der verwendeten Brennstoffe festzulegen. Doch der vom Berichterstatter Bas Eickhout vorgeschlagenen Ausschluss von ganzen Stämmen und Stubben viel durch. Zu groß war der Widerstand konservativer und skandinavischer Europaabgeordneter.

Wenig verwunderlich, dass diese Entscheidung viel Beifall von Seiten der Vereinigung der Europäischen Waldbesitzer erhielt, die gleich eine weitere „Vereinfachung“ der Nachhaltigkeitskriterien forderten.

Diese Entscheidung unterstützt auch die Bemühungen von Energiekonzernen wie RWE, E.ON, Engie oder Vattenfall, ihre Kohlekraftwerke auf die vermeintlich klimaneutrale Verbrennung von Holz umzurüsten, wie dies derzeit in den Niederlanden der Fall ist. Dass die dort in Zukunft erwartete Lieferung von über 3,5 Millionen Tonnen Holzpellets pro Jahr nicht nur aus Restholz und Abfällen bestehen kann, ist allen klar.

Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie geht nun in die letzte Runde, den so genannten Trilog zwischen EU-Parlament, Kommission und Europäischem Rat. Bleibt zu hoffen, dass diese Verhandlungen nicht nur von einer kommissarischen deutschen Umweltministerin begleitet werden, der die Hände gebunden sind, wenn es darum geht, den großen Run auf das Brennholz zu verhindern.